(28.1.2015) Mit großer Enttäuschung nehmen wir die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Mannheim zur Kenntnis, das dem Urteil des Arbeitsgerichts Mannheim, Kammern Heidelberg nicht folgt und die Zustimmung des Betriebsrats zur außerordentlichen Kündigung gegen den langjährig beschäftigten Betriebsratsvorsitzenden Torsten Wacker ersetzt.

„Wir haben die Entscheidung des Gerichts zur Kenntnis zu nehmen, halten sie jedoch nicht für richtig," so Peter Erni, Geschäftsführer von ver.di Rhein-Neckar.

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Verhandlung Torsten Wacker 28.01.2015Verhandlung Torsten Wacker 28.01.2015 © ROOS

Gemeinsam gegen Mobbing

Appell aus Mannheim

Graph Taktiken gegen BetriebsräteDas systematische Mobbing von Betriebsräten hat stark zu genommen. Gemeinsam dagegen anzugehen, das hat sich das in Mannheim gegründete Netzwerk gegen Betriebsräte mobbing auf die Fahnen geschrieben.

Ein Fall aus Achern: Beim Anlagenbauer Stopa wurden Ende 2014 acht Beschäftigte gekündigt, weil sie einen Betriebsrat gründen wollten. Die blauen Briefe kamen verbunden mit einem Hausverbot genau am Tag vor der Wahl des Wahlvorstandes. Die IG Metall Offenburg reichte Kündigungsschutz klagen ein und will nun durchsetzen, dass die Acht jedenfalls an der im Januar geplanten Wahl teilnehmen können.

»Solche Fälle sind nur die höchste Spitze des Eisbergs«, sagt Wolfgang Alles von Alstom in Mannheim, früher dort Betriebsrat, jetzt in der  Altersfreistellung. »Es handelt sich da um ganz neue Dimensionen«, ergänzt Ingo Marschner, bis zur Altersgrenze bei der IG Metall Mannheim tätig und nun unter anderem Berater am Mobbingtelefon. Die beiden sind Mitbegründer des »Komitees Solidarität gegen BR-Mobbing«, das bundesweit gegen solche Tendenzen vorgehen will.

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»Betriebsräte immer öfter gemobbt«

Auf einer Konferenz soll das Vorgehen gegen engagierte Belegschaftsvertreter diskutiert werden. Gespräch mit Wolfgang Alles

Interview: Daniel Behruzi

Wolfgang Alles ist Mitglied im IG-Metall-Vertrauenskörper bei Alstom und aktiv im Komitee »Solidarität gegen Betriebsratsmobbing« in Mannheim

Am Samstag, dem 11. Oktober 2014, findet in Mannheim, unterstützt von der örtlichen IG Metall, eine Konferenz »Betriebsräte im Visier – Bossing, Mobbing & Co. Was tun?« statt. Was ist Anlaß der Tagung?

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Maredo feiert ein Jahr Massenentlassung

Vor einem Jahr, am 26. November 2011, entledigte sich der Steakhaus-Konzern „Maredo” fast der gesamten Belegschaft der Filiale in der Frankfurter Freßgass'. Dabei wendete er die Methode „Schock und Entsetzen” an.

Am 26.11.2011 gab es in dieser Filiale „zufällig” einen Stromausfall. Nachdem alle Gäste aus dem dunklen Lokal verschwunden waren, kamen etwa ein Dutzend Manager, Rechtsanwälte und Sicherheitskräfte. Die verängstigten Mitarbeiter blieben stundenlang im dunklen Lokal, ohne Erlaubnis zu telefonieren, ohne Kommunikation miteinander. Einzeln wurden sie verhört und vor die Alternative gestellt: Eigenkündigung schreiben und keinen Stress mehr haben, oder stattdessen Kriminalisierung und fristlose Kündigung.

Etwa ein Dutzend KollegInnen hielt dem Druck nicht stand, wollte nichts wie raus, schrieb die eigene Kündigung. Ein Kollege ist bei der Aktion kollabiert, mehrere Kolleginnen sind immer noch traumatisiert. 14 KollegInnen erstatteten Strafanzeige gegen Maredo wegen Freiheitsberaubung und Nötigung. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch.

Überwachen, bespitzeln, entlassen

Der Vorwand der Aktion: Alle Mitarbeiter hätten angeblich geklaut. Um dies zu „beweisen”, hatte Maredo im Vorfeld - natürlich gesetzeswidrig ohne Zustimmung des Betriebsrats - die Kollegen monatelang durch zwei „verdeckte Ermittler” ausgeforscht und über mindestens vier Wochen durch drei geheime Kameras durchgehend beobachtet. Nachdem jede Bewegung aufgezeichnet war, wurde dies monatelang ausgewertet. Jede Kaubewegung wurde als Diebstahl bezeichnet, dicke Aktenordner mit angeblichen Dokumentationen zusammengestellt. Das Frankfurter Arbeitsgericht hat sich in erster Instanz auf Seiten Maredos gestellt. Doch unser Kampf geht weiter.

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Betriebsräte wehren sich

IG Metall-Logo

Abmahnungen, Kündigungen, Behinderungen und Repressalien gegen Betriebsräte sind keine Seltenheit. Dabei zeigt die Erfahrung: Von Mobbing betroffene Betriebsräte sind ganz und gar nicht machtlos. Sie wehren sich. Mit Hilfe und Unterstützung der IG Metall.

Immer wieder versuchen Unternehmer mit allen Mitteln, ihre Betriebsräte massiv zu behindern, Betriebsratsmitglieder unter Druck zu setzen oder die Wahl von Betriebsräten zu verhindern oder zu beeinflussen. Mit vielen kleinen und großen Schikanen sollen die Opfer langsam mürbe gemacht werden. Betriebsräte werden mit Abmahnungen überschüttet. Ihnen wird mit fristloser Kündigung, Strafanzeigen oder absurden Schadensersatzklagen in Millionenhöhe gedroht. Systematisch sollen das Selbstwertgefühl beschädigt und die betroffenen Betriebsräte sozial isoliert werden.

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