Betriebsrat unter Druck

AssistentInnen auf der Abschussliste

Die Geschäftsführung der Hamburger Assistenzgenossenschaft attackiert ihre Belegschaftsvertretung mit Abmahnungen und droht mit Amtsenthebungen – doch die Betriebsräte wehren sich

HAMBURG taz | Das Vorgehen hat Methode: Abmahnungen, Kündigungsandrohungen, Gehaltsabzug und die Einleitung von Amtsenthebungsverfahren. Seit Monaten überzieht die Geschäftsführung der Hamburger Assistenz-Genossenschaft (HAG) ihre BetriebsrätInnen mit Angriffen, um sie zu reglementieren, einzuschränken und zu zermürben – von einst vertrauensvoller Zusammenarbeit ist nicht mehr viel geblieben. Die BelegschaftsvertreterInnen vermuten hinter einer für die HAG neuen Strategie des Betriebsrats-Bashings eine klare Absicht. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Bettina Goebel sagt: „Um uns Betriebsräte loszuwerden“.

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Wer Be­triebs­rä­te be­hin­der­t, dem droht bis zu ei­nem Jahr Ge­fäng­nis

Wer Betriebsräte in ihrer Tätigkeit behindert, dem drohen bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafen – eigentlich. Denn diese Straftaten von Arbeitgebern werden praktisch nicht verfolgt. Das sei skandalös, findet der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann – und fordert Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften.

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Resolution der ver.di Mitgliederversammlung zur Lage in der HAG

Die Gewerkschaftsmitglieder von ver.di in der HAG beobachten mit Sorge das aktuelle Vorgehen der Geschäftsführung gegenüber dem Betriebsrat.
Bezugnehmend auf die Berichte von Betriebsräten über einen anhaltenden repressiven Umgang gegenüber den Kolleg/innen in der Mitarbeiter/innen-Vertretung fordern sie den geschäftsführenden Vorstand zu einer Kehrtwende in Richtung "Normalität" auf.

Die Gewerkschafter/innen und Vertrauensleute richten drei Forderungen an die HAG-Geschäftsführung:

  • Schluss mit den Stundenstreichungen wegen angeblicher fehlender Erforderlichkeit der BR-Arbeit und sofortige Vergütung
  • Rücknahme der Abmahnungen von Bettina Goebel und Karl Schaaf
  • Rückkehr zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Hamburg, 10. Oktober 2017

 Betriebsrat unerwünscht

Arbeitnehmervertreter werden immer häufiger bei ihrer Arbeit behindert, klagen Gewerkschaften. Sie fordern härtere Strafen für Arbeitgeber, die Betriebsräte verhindern wollen, und nehmen die kommende Bundesregierung in die Pflicht.

Von Detlef Esslinger, Hannover

Die Gewerkschaften fordern von der künftigen Bundesregierung, gegen Arbeitgeber vorzugehen, die die Wahl von Betriebsräten verhindern wollen. DGB-Chef Reiner Hoffmann sagte, bei diesen Taten handele es sich um kein Kavaliersdelikt. Sie müssten "hart bestraft" werden.

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Pressemitteilung (mit der Bitte um Bekanntmachung und Berichterstattung):

Titel: FaltblattBundesweite Konferenz
„Betriebsräte im Visier –
Bossing, Mobbing & Co.”
am 14.10.2017 in Mannheim

Sehr geehrte Damen und Herren,

am kommenden Samstag, dem 14. 10. 2017, findet im Mannheimer Gewerkschaftshaus die 4. bundesweite Tagung „Betriebsräte im Visier - Bossing, Mobbing & Co.” statt.

Nach wie vor wird die Wahl von Betriebs- oder Personalräten be- oder gar verhindert. Zunehmend werden bestehende Betriebsratsgremien bei der Umsetzung ihres gesetzlichen Auftrags blockiert.

Und noch schlimmer: Nach wie vor werden aktive Betriebsräte und Gewerkschaftsmitglieder gemobbt. Sogenannte Verdachtskündigungen werden gegen die Betroffenen ausgesprochen. Es findet die Bespitzelung ihres beruflichen und privaten Umfeldes statt. Ihre berufliche und ihre finanzielle Existenz wird zerstört. Ihr familiäres Umfeld wird zersetzt. Oft erkranken die Betroffenen daraufhin und leiden an schweren Depressionen.

Es handelt sich hierbei um illegale Angriffe auf engagierte Menschen. Schwere Verletzungen ihrer Rechte aus dem Grundgesetz, dem Betriebsverfassungsgesetz und dem Arbeitsschutzgesetz werden von den Tätern in Kauf genommen.

Weiterlesen: Pressemitteilung 9. 10. 2017

DGB Rechtsschutz LogoUnion Busting im Sauerland

Zum wiederholten Mal hat im Sauerland ein mittelständischer Betrieb zweifelhafte Bekanntheit erlangt durch Versuche zur Verhinderung der Erstwahl eines Betriebsrates. Den Geschäftsleitungen waren hierzu weder Kosten noch Mühen zu hoch. Die Vorgehensweisen ähnelten sich in allen Fällen verblüffend. Dank guter Zusammenarbeit zwischen der IG Metall und dem Hagener Büro der DGB Rechtsschutz GmbH konnten die Arbeitgeber in die Schranken gewiesen werden.

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work watch e.v.

Wir sind eine Anlauf- und Beratungsstelle gegen Bossing und Union-Busting und unterstützen Beschäftigte und Betriebsräte, die unter Druck geraten und fertiggemacht werden sollen.

Heute wenden wir uns mit einem Spendenaufruf für einen Betriebsrat am Flughafen Köln-Bonn an Euch, der aufgrund seines Engagements für seine Kollegen auf die Straße gesetzt und in finanzielle Not geraten ist.

Weiterlesen: FedEx: Solidarität mit BR erforderlich

Ruben Trautmann © IGMRuben Trautmann © IGMBetriebsrat-Mobbing: Interview mit Ruben Trautmann

„Es kommt darauf an, wie viel Du einstecken kannst”

Der Werkleiter brüllte ihn zusammen, die Personalchefin trat ihm ans Schienbein. Sie wollten ihn rauswerfen. Doch Ruben Trautmann, Betriebsrat beim Kontraktlogistiker Syncreon in Wunstorf hielt stand - für seine Kollegen. Und seine Kollegen und die IG Metall unterstützen ihn. Heute ist er Betriebsratsvorsitzender. Und die Arbeit im Betrieb deutlich besser und tariflich bezahlt.

Ruben, du bist als Betriebsrat massiv angegriffen worden. Was ist passiert?

Ruben Trautmann: Ich wurde ständig angebrüllt und sogar getreten. Unsere Personalchefin hat mich jeden Tag ins Büro gerufen und mich bis zu sechs Stunden lang ihrer Gehirnwäsche ausgesetzt: Wie mächtig sie sei – und wie sie mich fertig machen wird. Dabei hat sie mich auch mal am Kragen gepackt und zweimal ans Schienbein getreten. Sie und der Werkleiter haben gedroht, ich würde deutschlandweit keinen Job mehr bekommen und auf der Straße landen. Sie würden jeden künftigen Arbeitgeber anrufen und ihm sagen, was ich für einer bin. Der Werkleiter hat die Belegschaft zusammengetrommelt, um mich vor versammelter Mannschaft zu beschimpfen, als Dieb oder Spitzel der IG Metall. Den Tarifvertrag wollte ich ja angeblich nur durchsetzen, um mich in einen Job in der IG Metall einzukaufen – und dafür meine Kollegen verkaufen, die alle arbeitslos würden, weil sie dann schließen müssten.

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